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Der kapitalistische Mensch

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Vorwort

Wie komme ich dazu den folgenden Text zu schreiben? Die folgenden Gedanken, entsprechen meinem Wunsch, meine Vielzahl von Vorstellungen und offenen Gedankenfäden, in einem zusammenhängenden Gewebe zu verbinden. Somit sind diese offenen Fäden auch niemals zuende gedacht und die folgenden Zeilen somit auch niemals fertig. Ursprünglich sollte es eine Sammlung kritischer Beobachtungen meiner menschlichen Umgebung sein. Heraus stellte sich jedoch ein krankhaftes Charakterbild der von unserem System geformten Menschheit. Daher der Titel "Der kapitalistische Mensch".

Das ICH ist eine sich reproduzierende Idee,
auf der Suche nach Identifikation,
getrieben von der Angst,
sich selbst zu vergessen.

Der kapitalistische Mensch

Wahrnehmung

In jedem Augenblick des Lebens, sind wir mit Eindrücken konfrontiert, die es zu bewerten und einzusortieren gilt. Pro Sekunde werden ca. 11 Millionen Sinneseindrücke in unserem Gehirn verarbeitet und entweder wahrgenommen oder ausgefiltert. Informationen die wahrgenommen werden, sind für uns bedeutsam, da wir eine Verbindung zu uns selbst herstellen können. Ausgefilterte Eindrücke gehen jedoch nicht verloren, sondern werden im Unterbewusstsein gespeichert. Dass sie uns nicht bewusst verfügbar sind, bedeutet jedoch nicht, dass sie unsere Wahrnehmung und unser Verhalten nicht beeinflussen. Warum werden mache Eindrücke bewusst wahrgenommen und andere ausgefiltert?

Eine der größten Illusionen des Menschen ist es, dass er glaubt Herr im eigenen Hause zu sein. Ein Mensch irrt, wenn er glaubt, er beherrsche sich selbst oder sein Seelenleben, welches im Körper wirkt. Doch genaugenommen, können die meisten Menschen nur froh darüber sein, dass ihre Psyche und ihr Körper in solchem Gleichgewicht sind, dass "Einflüsse" aus dem inneren die Lebensführung kaum störend beeinflussen. Wer einmal ernsthaft krank war oder eine heftigere psychische Krise durchlief, weiß, dass im Ernstfall das ICH, also der Einfluss durch den persönlichen Willen, keine Bedeutung hat.

Identifikationsmerkmale

Ich werfe die Fragen auf, ob nicht jede Handlung im Schutz der eigenen Person gründet bzw. deren Expansion dient und damit egositisch motiviert ist (auch Mutter Theresa oder Mahatma Gandi handelten so, um sich ihr Selbstbild zu bestätigen)? Ob der Umgang mit anderen Menschen davon motiviert ist, uns den Selbsterhalt zu bestätigen und andere nur als Erweiterung meines Ichs betrachtet werden? Ob nicht alles was wir tun letztendlich egoistisch motiviert ist?

Das, was ich für mich, mein Ich, halte, ist eine Hierarchie (weil eine Idee auf der anderen aufbaut bzw. daraus resultiert, je nach Resultat der Vearbeitung zurückliegender Ereignisse) von Ideen und Vorstellungen mit denen ich mich identifiziere. Hauptbeschäftigung der Gedankenarbeit ist die Bestätigung und der Schutz dieser Identifikationsmerkmale. Ein Selbstbild muss nicht von Stärke geprägt sein, auch mit einem Mangel oder durch Abhängigkeit kann sich ein Mensch identifizieren.

Identifikationsmerkmale können z.B. sein:

Wir sehen, man kann sich über jeden Lebensumstand definieren und alles dient dazu, dem Menschen in einer chaotischen Umwelt und Innenwelt Gewissheit und Stabilität zu verschaffen.

Unter Gedankenarbeit verstehe ich daher produzierte Wörter, Bilder und andere Vorstellungen mit sinnlicher Entsprechung. Wenn ich mich genau wahrnehme, spüre ich vor jedem Gedanken, einen Impuls, der wie Blasen im Wasser in meinem Inneren Aufsteigt und den ich in meinem Kopf, als Reaktion auf diesen Impuls in lauter werdenden Wortgedanken (oder bildhafter Vorstellung) darstelle. Insbesondere, wenn dieser Impuls eine emotionale Reaktion auf eine Bedrohung meiner Identifikationsmerkmale ist. Gedankenarbeit nenne ich es, da die Verformung des Impulses zu einem Gedanken, einen Willensakt ist. Warum muss also der emotionale Impuls in einem Gedanken ausgedrückt werden? Weil dieser unkontrolliert aufsteigt und mit seinen unbewussten bzw. unkontrollierten Inhalten unser Selbstbild bedroht.

Gesellschaftlicher Kontakt

Nur durch andere Menschen können wir eine Bestätigung oder eine Ablehnung erfahren. Es ist sicherlich eine zeitlang möglich für sich allein etwas zu schaffen, doch auf längere Sicht ist dem Menschen... Kontakt mit anderen Menschen ist für die Bestätigung oder die eigene Ablehnung unserer angenommenen Identifikationsmerkmale von besonderer Bedeutung.

Der erste Leitsatz der Kommunikationstheorie besagt: "Du kannst nicht nicht kommunizieren."
Eine andere Theorie besagt, dass etwas als Kommunikation bezeichnet werden kann, wenn es einen Informationssender und einen entsprechenden Empfänger gibt.

Ich habe daher den Begriff Kontakt gewählt, da bei einem Kontakt nicht zwangsläufig kommuniziert wird. Unter Kontakt kann eine einseitige Wahrnehmung eines anderen (ohne das dieser andere mich wahrnimmt) oder auch eine Kommunikation (also eine beidseitige Wahrnehmung) gemeint sein. Von Wahrnehmung eines anderen möchte ich sprechen, wenn das Gegenüber einen in positiver oder negativer Weise rührt. Ein Kontakt führt zu einer Wahrnehmung, insofern der Wahrgenommene einer gegensätzlichen oder ähnelnden Art unseren Identifikationsmerkmalen entspricht. Insofern ein Kontakt keinen Identifikationsmerkmalen entspricht, wird es kaum zu einem Kontakt oder gar einer Kommunikation kommen.

Unter Kommunikation kann eine Begegnung verstanden werden, in der beide wissen, dass sie einander wahrgenommen haben. Eine jeweilige Verhaltensanpassung, die als senden von Informationen verstanden wird, erfolgt wahrscheinlich.

Unter gesellschaftlichem Kontakt können zweierlei Arten unterschieden werden.

Der gesellschaftliche Rahmen

Im gesellschaftlichen Rahmen der Öffentlichkeit begegnen uns ständig Menschen (es sei denn wir Leben in der Wildnis) bzw. nehmen wir Bilder unserer Umgebung auf. Diese Eindrücke werden gemäß unseren Identifikationsmerkmalen entweder als uns sympathisch und zugehörig oder als abgelehnt einsortiert. Sollten die Eindrücke keinem unserer Identifikationsmerkmale entsprechen werden sie ausgefiltert. Dazu zählt der Obdachlose den wir im schlimmen Fall als Bedrohung, im Guten Fall als Clochard oder als unserer Wahrnehmung nicht Wert befinden. Selten jedoch als Freund. Dazu zählt Dreck auf der Straße, den wir Sympathisch als Ausdruck eines ungeordneten freiheitsliebenden Lebensstils begrüßen können oder unserer eigenen Ordnungsliebe gemäß ablehnen können. Oft ist die Einordnung von einer individuellen Tagesform abhängig. Alle Wahrnehmungen haben jedoch immer mit uns zu tun.

In einer einseitige Wahrnehmung kann es aufgrund der Wahrnehmung einer anderen Person dennoch zu Verhaltensanpassungen (z. B. dem Senden von Informationen kommen) kommen, in der Hoffnung oder Befürchtung vom anderen wahrgenommen zu werden oder auch nur weil die Wahrnehmung einen Impuls auslöst der zu einer Verhaltensänderung führt.

Persönliche Kontakte

Im persönlichen Kontakt suchen wir die Bestätigung unseres Selbstbildes, indem wir uns Partner suchen die uns ähnlich sind bzw. mit denen wir uns identifizieren. Wir umgeben uns mit uns selbst, alles andere ist uns fremd.

Bevor ich mich mit einem anderen Menschen identifizieren kann, muss ich mich mit diesem vergleichen. Dieser Vergleich findet ständig statt, um meine Position im Verhältnis zu meinem Gegenüber einzuschätzen. Ein Vergleich bedingt stets einen Zustand, mit dem sich vergleichen lässt. Dieser muss daher einem Bild, meinem Selbstbild entsprechen. Wenn ich mir ein Selbstbild geschaffen habe, dem es zu entsprechen gilt, um das positive Gefühl im Vergleich aufrecht zu erhalten, ist mein Wollen an die Aufrechterhaltung dieses Bildes geknüpft. Ist der Andere im Vergleich eine Bestätigung meines Selbstbildes, ist dieser mir sympathisch. Stellt der Andere mein Selbstbild in Frage, da in diesem mir fremde Vorstellungen gewachsen sind, muss ich den anderen ablehnen.

Ob sich Menschen miteinander identifizieren können, also sich mögen oder sympathisch sind, hängt davon ab, wie viele Identifikationsmerkmale sie teilen. Sollte der Partner nur ein, uns besonders wichtiges Merkmal, besonders verinnerlicht haben, aber viele andere nicht, ist eine Partnerschaft interessant, führt aber auf Dauer zu Konflikten. Ein Mensch mit anderen Identifikationsmerkmalen stellt uns durch seine gesendeten Informationen andauernd in Frage, was einen steten Kampf um Selbsterhalt zur Folge hat, mit entsprechenden Spannungen im jeweiligen Verhältnis.

In unserer Gesellschaft werden uns im Alltag und besonders durch die Medien ständig neue und sehr starke identifikationsmerkmale geliefert. Das führt dazu, dass viele Menschen ein sehr fest verankertes Selbstbild haben. Das macht die Bildung enger Beziehungen, in denen wir ständig mit uns fremden Identifikationsmerkmalen konfrontiert sind, schwierig.

Zentrumsmenschen und Peripheriemenschen

Mir ist aufgefallen, dass es Menschen gibt, die mühelos in der Lage sind, andere Menschen um sich zu versammeln und andere denen es schwerfällt Freunde und Bekannte zu gewinnen. Die denen es leicht fällt Menschen für sich zu gewinnen, nenne ich Zentrumsmenschen, die die Nähe von Zentrumsmenschen suchen Peripheriemenschen. ...

Medialer Konsum

Die westlich-kapitalistische Gesellschaft und nur über die kann ich reden, stellt uns eine Menge Identifikationsmerkmal zur Verfügung. Insbesondere über die Werbung werden diese produziert und transportiert.

Die „Medien“ im Allgemeinen, versorgen uns mit Bildern und Vorstellungen die unser Denken und unser Selbstbild beständig formen.Unsere bewusste Wahrnehmung lässt uns glauben, dass wir sehr wohl zwischen der fiktiven Fernsehwelt und der Realität unterscheiden. Dabei wird jedoch nicht beachtet, dass auch ein Fernsehbild einen Teil unserer Realität darstellt und damit, ob wir es wollen oder nicht, unsere Wahrnehmung von der Umwelt prägt.

Es werden entweder konkrete Aussage oder Meta-Information vermittelt. Insbesondere Meta Informationen werden aufgenommen und unreflektiert übernommen.

Insbesondere Werbung nutzt den Umstand aus, dass sich die Menschen mit Ihren angeeigneten Eigenschaften identifizieren und versucht dem Zuschauer Produkte als Identifikationsmerkmale zu vermitteln. Dies geschieht durch die Assoziation von Produkten oder Dienstleistungen mit einem Idealzustand, den der normale Mensch selten verwirklicht.

Heilung der Krankheit

Im Fluss

Warum sollten wir den Bildern die in uns aufsteigen unveränderten Lauf lassen? Weil die vollkommene Hingabe an uns selbst, ein sehr heilender und entspannender Zustand ist.

Ich vergleiche das gerne mit einem gebrochenen Bein: Nach einem solchen Unfall, müssen wir dem Körper Ruhe geben, damit dieser sich selbst heilen kann. Ebenso ist es mit der Seele. Die Gedankenimpulse sind beständige Anläufe des Nervensystems zur Reorganisation von Informationen.

Empathie

Unserer Welt, bzw. den meisten Menschen mangelt es an Empathie, der Fähigkeit, sich in andere Lebewesen einzufühlen, der Versuch nachzuempfinden wie es einem anderen Wesen ergehen mag. Kriege, Ausbeutung, Vergewaltigung, … wären nicht mehr möglich. Allerdings musste ich immer wieder festellen, dass vor allem die Menschen zu empathie in der Lage sind, die selbst einiges an Leid erefahren mussten.