THE ART OF KAIC adm

So war es

Als der Knabe Ikaros, durch den glücklichen Flug zuversichtlich gemacht, den väterlichen Rat mißachtet und in verwegenem Übermute mit seinem Flügelpaar einer höheren Zone zusteuerte, erweichte die Nachbarschaft der Sonne mit allzukräftigen Strahlen das Wachs, das die Fittiche zusammenhielt. Ehe Ikaros es bemerkte, waren die Flügel aufgelöst und zu beiden Seiten den Schultern entsunken. Noch ruderte der unglückliche Jüngling, schwang seine nackten Arme und plötzlich stürzte er in die Tiefe des tiefblauen Meeres.

Wie es begann

Meine Kindheit will ich hier aussparen und mit dem Beginn meines eigenen Lebens beginnen, als Teenie. Aufgewachsen bin ich bei meinem Vater, ein sehr sparsamer Mann, in vielerlei Hinsicht, sowohl Materiell als auch in seiner Zuwendung. Heute, nachdem ihm sein Leben offensichtlich den Wert gegenseitiger Liebe bewiesen hat, ist er ein liebevoller Mensch geworden. Ich selbst, verspürte jedoch stets den Wunsch nach Zugehörigkeit, nach Teil von etwas Umfassenderen zu sein und ein Gefühl von Mangel war mein stetiger Begleiter. Da mir mit meinen billigen Klamotten und den Schuhen aus dem "Zentrums Kaufhaus" vom Alex in Ostberlin der Zugang zu der elitären Gruppe der Lacoste Polohemden und den zuckersüßen Mädels verwehrt war, bildeten meine Schulkumpels eher die Underdogs. Sicherlich war es auch mein Geruch, da mir mangels warmem Wasser Zuhause, regelmäßige Waschungen nicht möglich waren. Die Nase meines Vaters schien diesbezüglich wohl auch bereits abgestumpft, vielleicht wollte er auch nur den Strom für einen Boiler sparen. Eine warme Wanne gab es nur, wenn ich bei meiner Mutter war oder den großen Kessel beheizte.

Als Peergroup wählte ich mir daher passenderweise die Punkrocker aus, was sowohl meinen finanziellen Möglichkeiten als auch meinem Pflegebedürfnis am Nächsten kam. Das Leben eines Punks besteht vorwiegend aus Bier saufen, Schnorren, abhängen und Musik hören die mir heute Ohrenschmerzen bereiten würde. Die Punkerszene ist ziemlich heftig, vor allem die Konzerte auf denen ich regelmäßig war. So stand ich mit meinen zarten 15 inmitten wilder Gestalten, hörte krasse Musik und pogte dazu. Ein Typ ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Er hatte zwei große Beulen auf seinem Schädel, bestimmt 1,5 cm hoch und 2 im Durchmesser. Die waren so gute zu sehen, weil er sich seine Kopfheut penibel rasiert hat und nur einen prächtigen bunten Iro in der Mitte übrigließ.

Ich hing damals viel mit Gregor und Karsten rum. Gregor war ein Pseudopunkt mit reichen Eltern der in der Nähe vom Kleistpark wohnte. Karsten war da mehr meine Wellenlänge. Bei Gregor trafen wir uns häufig, er hatte einen Flipper und außerdem genug Kohle für Bier, das stets palettenweise in einem Einkaufswagen in seinem Zimmer vorrätig war. Es ist bezeichnend, dass Inga, das süßeste Mädel in unserer Clique, natürlich mit dem reichen Schnösel zusammen war. Überall das gleiche. Im großen und Ganzen bestanden meine Wochenenden jedoch darin, mit meinem Freund Stefan je eine Flasche "..." und ein paar Biere zu kaufen und mein Taschengeld mitt Schnorren am Nollendorf Platz aufzustocken um uns dann in der benachbarten Ruine mit einem Minipiece Hasch über den Tisch ziehen zu lassen. Bekifft und besoffen bauten wir dann in den Straßen Berlins eine Menge Scheiße. Nach einem Punkkonzert übernachtete manchmal bei Gregor. Das eine Mal, war ich so breit, dass sich mir Beim schließen der Augen, der Schwindel die Eingeweide umdrehten. Gregor kam grad die Leiter zu seinem Hochbett rauf udn ich konnte nur noch sagen "Gregor ich muss K" und göbelte ihm in einem Riesenschwall sein Hochbett voll. Ein Andermal

Mit 16, verließ ich die Schule mit einem Hauptschulabschluss. Nach 9 Jahren Schule quasi ohne Schwänzen, glaubte ich plötzlich, "Jetzt ist genug!" und schwänzte das letzte halbe Jahr so häufig, dass mein an sich sicherer Realschulabschluss nicht mehr begründet werden konnte. Möglicherweise hatt ich eine Ahnung, dass mir kein einfacher Weg bestimmt ist.

Gitam und der Pfad

Sofort nach meine Abgang mit einem Hauptschulabschluss besann ich mich eines Besseren und begann einen Abendlehrgang zum Erwerb des Realschulabschlusses. Dort lernte ich drei Menschen kennen, die für meinen weiteren Werdegang von besonderer Bedeutung waren. Gitam, Anette und Andreas.

Gitam war eine üppig beleibte Bhagwan Sanyasin mit Mala und orangenen Gewändern. Eines Tages nach der Schule saßen wir in einer Kneipe um die Ecke der Schule um ein Bier zu trinken. Im Laufe des Gesprächs wies sie mich auf die Haltung meiner Hände hin, die ich vor meinem Schoß gekreuzt hatte: "Das ist eine Schutzhaltung". Letzendlich landeten wir bei ihr, wo ich drei Tage und zwei Nächte verbrachte, die mich tiefgreifend verändern sollten. Im Rückblick glaube ich sie wollte mit mir ins Bett aber an so etwas hatte ich damals nicht gedacht.

Gitam erzählte mir viel über den spirituellen Pfad. Weise Einblicke, die zu damaliger Zeit vollkommen außerhalb meiner Denkenssphäre lagen und mich sehr beeindruckten. Wir legten gemeinesam Tarot und sie brachte mir bei die Karten zu deuten, intuitiv, ohne Buch, was ich auch heute noch für die beste Deutungsform halte. Der Symbolgehalt und die Farbgebung der Karten (insb. Rider) ist so vielfältig und universell, dass ein Suchender, sich vertiefend in die Karte und ihre Position, eine Bedeutung zu seinem Leben und Zukunft auslesen kann. Ein Deutungsbuch liefert Instantlösungen und dem Betrachter bleibt es erspart sein Leben zu reflektieren. Sie gab mir Psylos und wir meditierten gemeinsam. Ihre Worte, die Pilze und die intensiven drei Tage insgesamt, krempelten mein Denken und mein ganzes Wesen derart um, dass ich danach ein andere war, in positiven Sinne. Was ich später aus dieser Lehre machte, ist Gitam nicht anzukreiden. Nach diesen drei Tagen hatte ich mit ihr kaum noch etwas zu tun.

Zurück bei meinem Vater begann ich zu denken. Gedanken, die neu und konstruktiv waren und nichts mit der Grübelei zu haben die üblicherweise nur den Kopf beschäftigen sollen. Ich war 15 - z.B.:

"Wenn ein Körper einzig in einem unendlichen Raum ist, kann seine Position nicht definiert werden. Damit ist dieser zugleich überall und nirgends. Eine Position kann daher nur im Verhältnis zu einem anderen definiert sein, jedoch niemals absolut."

"Sollte alles stillstehen, ist das Vergehen von Zeit nicht feststellbar. Zeit kann also nur festgestellt werden, durch das verschieben einer Sache in Relation zu einer anderen (erst hier-dann da). Sollte sich das andere Objekt jedoch ebenfals bewegen, wie ist dann das Vergehen von Zeit zu messen und zu bewerten?"

Solche und weitere sonderbare Gedanken bewegten mich seitdem. Ich begann zu meditieren und konstruktivistische Zeichnungen zu erstellen. Stundenlang allein war ich mir selbst genug, im Denken, Lesen, Zeichnen oder einfach nur Sein. Das meditieren viel mir sehr leicht, da ich keine Angst vor meiner Innenwelt kannte. Ich genoss die unkontrolliert aufsteigenden Gefühle, die Bewegung in meinem Bauch (die ich heute so vermisse) und hatte auch keine Angst vor dem einen oder anderen Dämon der als angstvolle Vorstellungen vor meinem innern Blick erschien. Eine besondere Meditation ist mir in Erinnerung, quasi die positive Initiative zu dem grausamen Ende das ich später fand:

Ich saß in meiner Ecke, wie so häufig und lies mit geschlossenen Augen meinem Seelenleben freien Lauf. IN einem Augenblick öffnete sich in meinem Solarplexus ein Kanal und glückliche Energie stieg stark und strahlend, vergleichbar mit einer bunten und doch golden glänzenden Lichtstrom, aus meinem Bauch in mein Herz. Was ich dann sah, war eine Position nahe unserer Sonne mit Blick in das Weltall und riesige Steinbrocken flogen schwerelos an mir vorüber.

Selbstverständlich vergas ich meine Freunde nicht und unter diesen ist eine Besondere zu erwähnen, Annette. Anette war selbst erst 16 und mit Andreas zusammen - leider. Doch sie bewunderte ihn wohl. Wäre Annette doch besser mit mir zusammen gewesen. Wir waren stets harmonisch beieinander, hätten bestimmt viel Zärtlichkeit zu tauschen gehabt und wieviel Leid wäre uns beiden erspart geblieben. Annette und ich verbrachten viel Zeit zusammen, stets hörte sie mir zu und nahm meine Gedanken auf. Wir trampten häufiger in den Harz wo ihr Opa lebte. Sehr häufig war ich auch bei Andreas zu Besuch. Der kiffte extrem und brachte mir auch LSD bei. Andreas vermittelte mich an einen Dealer in Kreuzberg, bei dem ich mir beschaffen konnte was ich wollte. Vor allem von LSD war ich fasziniert. Es gibt böse und wohlmeinende Trips. Ich hatte mehrere wohlmeinende kennengelernt, als Andreas mir erzählte, dass der Dealer eine Marge billiger Trips zu verkaufen hätte. So besorgte ich mir 10 graubraune Halbkugeln. 10 Trips auf Reserve in der Hand eines naiven jungen Mannes der nicht damit umzugehen wusste und es kam wie es kommen musste. Innerhalb von 2 Wochen nahm ich die kompletten 10 Teile, immer halbweise und die Rakete war gezündet.

LSD verändert einen. Nach einem Trip ist man stets etwa anders als zuvor. Das Empfinden, der Charakter die Art zu Denken unterscheidet sich leicht. Es heisst "LSD öffnet Tore" und so war es wohl auch bei mir.

Xander

Im Frühjahr nach Bendigung meines Realschulabschlusses begann ich meinen ersten Job in einer ABM Maßnahme des Gartenbauamtes als Wegebauer. Das hieß budeln-budeln-budeln und den Abraum wegschaffen, dann Sand und Steine heranfahren. Ich hörte immer nur "Steeeine", wenn wir drei Hiwis es nicht schafften, dem Steinsetzer und Vorabeiter genug Material ranzuschaffen. Ich habe den Job genossen, mich auszuprobieren, mein Körpergefühl auszukosten und meine Kraft zu spüren. Klar habe ich auch oft Krank gemacht, wenn ich keinen Bock mehr hatte war mir plötzlich sooo schlecht und mit bedrücktem Gesicht meldete ich mich den Rest des Tages Krank oder ging garnicht erst hin. Im großen und Ganzen ein entspannter Job an den ich mich gerne erinnere. "ABM immer langsam arbeit." mahnte mich mein alter türkischer Kollege wenn ich mal wieder wie ein Berserker reingehauen habe.

In dieser Zeit, im Frühlung, lernte ich Xander kennen. Eine amerikanische Studentin der Journalstik aus New York. Eine chice Frau, 21 Jahre alt, entzückend wohl geformt und sehr attraktiv, auf ihrer Tournee um die Welt, wollte Berlin in den 80ern kennenlernen. Sie lernte mich kennen, immerhin ein Berliner Original. Unser erstes Treffen war in einem Waschcenter nicht weit von ihrer Wohnung entfernt. Doch erobern konnte ich sie bei unserem zweiten Treffen. Ich telefonierte gerade am Nollendorfplatz in einer Telefonzelle, da lief sie mit einem Mann im Gespräch vorbei. Flugs beendete ich das Gespräch und rannte ihr hinterher. Der andere Mann war angesichts dieses fröhlichen Sweet-seventeen schnell abgemeldet und verabschiedete sich am Wittenbergplatz. Wir schlenderten plaudernd bis zu den Tiergartenwiesen wo wir uns nebeneinander in die Sonne legten. Es dauerte nicht lange und ich küsste sie. Bald darauf ging es zu ihr. Eine wundervolle Frau und ich glaube sie liebte mich.

Dann meine erste Wohnung in der Graefestraße. Hinterhof-Parterre, vermittelt durch meinen Bruder, der im gleichen Haus wohnte. Es war dunkel, mit Ofenheizung und in der Küche war der Boden aufgrund eines Wasserschadens bis zum Keller durchgefault. Ich habe ein Brett draufgelegt und war stolz auf meine erste eigene Wohung. Zum Einzug lud ich alle Freunde ein und stellte, in klassicher Manier, einen Einkaufswagen mit mehreren Paletten "Karlsquell" rein. Mangels Möbeln war die Stimmung jetzt nicht so gut, aber ich hab mich mächtig betrunken. Als die Paletten alle waren, wollte ich es damit nicht enden lassen und wir gingen die Straße runter zum Getränke Hoffmnan. Natürlich hatte der zu. Kurzum schmiss ich die Schaufensterscheibe ein und wir klauten eine Kiste Bier und rannten mit dieser zum Paul-Linke Ufer um diese zu leeren. Die ganze Aktion hat meinen Kumples dann doch die Stimmung geknickt, so dass die Party nach der Kiste endgültig beendet war.

Xander besuchte mich ein paar mal die Woche. Oft kochte ich für sie. Das eine oder andere Mal versuchte ich mit ihr ein Gespräch anzufangen, doch unser beider Bildungsniveau war zu unterschiedlich. "Ich bin hier um Liebe zu machen" und das machten wir dann auch ausgiebig. Ich schenkte ihr regelmäßig Blumen und sie hinterließ mir Nachrichten mit Kussmund und unterschrieben mit "X". Sie machte im Allgemeinen ein Geheimnis um sich und ich wusste und weiß bis heute sehr wenig über sie.

In der Gaefestraße besuchten mich nach der Arbeit oft die beiden Fränke. Wir kifften viel und tranken "Bajuvator Doppelbock".

Dieser Energiefluss, den ich mit meiner Meditation geöffnet hatte, wurde immer intensiver. Es war ein schönes Gefühl, die Gedanken harmonierten mit meinem Gefühl, meine Bewegungen waren unmittelbarer Ausdruck meines Gefühls. Alles an mir war intuitiv, im eigentlichen Sinne dieses Wortes.

Es gab natürlich nicht nur gute Tage, ich war auch mal missmutig oder schlapp, aber das beschriebene Gefühl war vorherschend und Grundtenor meines Lebens.

Der Absturz

Besonders in der letzten Zeit vor meinem Absturz, es war der Herbst des selben Jahres, kamen mir Gedanken wie "ich befehle dem Wind zu wehen" nicht seltsam vor. Ich war so tief im Augenblick und der Einheit mit mir selbst verschmolzen, dass nur noch dieses allumfassendes Gefühl mein Welt bildete und Vernunft keine Rolle mehr spielte. So, dass ich  gedankliche Absurditäten nicht hinterfragte.

Das Jahr neigte sich dem Ende zu und der Wegebau war beendet und wir feierten ein Abschlussfest mit gegrilltem Hammel, an dessen herzhaften einmalgen Geschmack ich mich noch heute gerne erinnere. Ich trennte mich von meinem Trupp und arbeitete weiter bei einem Werkhof. Xander fuhr nach New York, um ihre Freunde wieder zu treffen, die sie so vermisste.

Es war an sich ein schöner Abend mit Freunden. Bisschen Alk, bisschen Kiff und damals verbreitete sich Poppers. Eine Droge die beim Verkehr unglaublich scharf machen soll, so wie ich hörte. Ich habe allerdings wenig gespürt, habs aber trotzdem im Laufe des Abends öfter inhalliert. Es msus Herbst gewesen sein, doch wir genossen das Poppers auf der Straße in einem Hauseingang.

Jeder Abend geht einmal zuende. So ging ich mit zwei Freunden noch zu mir um etwas zu entspannen, Musik zu hören und rumzuhängen. Ich kannmich noch sehr genau an die szenerie erinnern. Einer der beiden Fränke saß neben mir auf der Martatze unter dem Fenster und mein Freund Marek mir gegenüber auf einem Kissen und ich entspannte mich. Gleitete ab in diesen seeligen Zustand des Innenraums, doch dieses mal heftiger und tiefer als jemals zuvor. Meine Umwelt zog sich dunkel zusammen, organisches, wie die Gesichter meiner Freunde geriten zu hölzernen Masken, schwarz und monströs. Dies kannte ich schon von früheren Erfahrungen und machte mir keine Angst. Doch dieses mal war etwas anders, ich verlor meinen Kontakt zur Außenwelt komplett, keine Eindrücke verbanden mich mehr mit der Realität. Die Bahn in meinem Herzen zog mich durch eine Welt voller Farbe. Es sah aus, als führe ich zwischen zwei farbeigen senkrechten Walzen, die mein komplettes Sichtfeld einnehmen. Das Gefühl des Drives durch die Innenwelt war der totale Augenblick. Bis ... die Fahrt ein Ende fand, eine Tatsächliche Barriere in der inneren Realität. Ich hätte aufsteigen können und hätte viel grausames nicht erlebt. Doch ich entschied mich anders. Ich wollte diese Barriere, die mir wie eine Mauer auf meine Pfad vorkam umrunden und brach nach links aus, verlies die Bahn und FIEL in die innere Realität.

Fiel in die endlose Leere des Innenraums, verlor mich dabei, alles was ich war, die Kraft meiner Seele, die Kraft meines Herzens, die Ruhe meines Körpers, jegliche Freude. Mit einem Schrecken war ich wieder im Hier und Jetzt und meine Freunde saßen vor mir, doch meine Welt war von nun an eine andere. Die erste Zeit war mir noch die Angstlosigkeit geblieben, so dass ich mich erst einmal nur wunderte und nicht wusste was los war. Doch das sollte sich bald ändern. Ich bat meine Freunde zu gehen.

Die unglaubliche Fülle die ich noch Sekunden vorher spürte war vertauscht mit einem Gefühle endloser Leere. Der Heilige Ort, in den ein jedes beseelte Wesen sich zurückziehen kann, war zerschlagen, zerstört, nicht mehr existent. Es gab keinen Ort der Ruhe mehr für mich. Der Kraftkanal war verschlossen. Ich hörte Gitams Stimme im meinem Kopf, die versuchte mir zu raten, doch zu retten war da nichts. Fenster öffnen, ins Feuer starren, versuchen zu verstehen. Schlafen legen und nicht schlafen können. Ins Bett gehen ... dann kam die Angst und die Gedanken.

Es dachte in mir, Worte-Worte-Worte-Worte in meinem Kopf. So als versuche man einzuschlafen und kann nicht, weil der Kopf nicht zur Ruhe kommt, doch viel viel stärker, dachte mein Kopf vor sich hin, bildete Worte, Sätze Gedanken nur um des Denkens Willen und ich konnte es nicht stoppen. So ging es Jahre, Tagein-Tagaus, Worte in meinem Kopf über die ich nicht Herr bin. Keine Stimmen, die habe ich nie gehört, so wie andere. Es war schon in mir, doch eine endlose Litanei sich verselbstständigender Gedanken, die nicht zu stoppen sind.

Dazu die Angst wieder und noch tiefer zu fallen, noch mehr zu von mir verlieren. Die Öffnungen, aus denen meine Seelenkraft entwich und noch weniger von mir selbst zurückließ entstanden verschiedentlich. Ich file in meinen Bauch wie beium ersten Mal oder mein Kopf öffnete sich und ich verlor mich über meine Schädeldecke oder beim Scheißen viel alle sunten aus mir raus. Winzige Teile meiner selbst verließen mich durch plötzliches Öffnen einer Hautpore. Dann war da das Schwimmen, ein widerliches Gefühl. Den einen Augenblick Laufe ich auf festem Boden, z. B. einer Straße, und plötzlich fühlte sich der Boden an wie Wasser. Nicht mehr fest sondern als würde ich auf einem See Laufen und drohe unterzugehen. Kurze Augenblicke, wenn meine Kraft durch meine Fußsohlen entwich.

Eine 17 Jahre aufgebaute Stärke hatte sich aufgelöst und ich stand vor dem Nichts, war nichts und nicht im erleuchteten Sinne sondern ganz das Gegenteil davon. Die Angst mich erneut zu verlieren waren 15-20 Jahre mein ständiger Begleiter und nahm erst sehr langsam ab. Noch heute spüre ich selten diese Angst. Die große Integration eines Menschen, sein Selbstverständnis sich selbst gegenüber, ist mir für immer verloren gegangen. Mein größter Fehler und meine größte Hoffnung in den Jahren darauf war, an dem Gefühl vergangener Glückseeligkeit fest zu halten, sie wieder haben zu wollen, statt meiner Seele wenigstens diese Ruhe zu gönnen und sich selbst zu heilen. 

Einige Tage voller Angst und endlosem Gedankenstrom vergingen und ich spürte das sich etwas grundsätzlich geändert hat. Diese Zeit lief ich mit einer Hand auf meinem Kopf und meinem Ellenbogen oder einem Kissen in die Magengrube gedrückt herum, um die Pforten zu verschließen.

Den Vormittag eines Tages dachte ich mir, es könnte helfen zu schreien und ich schrie. Schrie lange und lange und wenn ich dachte ich könnte nicht mehr schrie ich nochmals. Plötzlich sa ich im ersten Stock des Fensters gegenüber einen Menschen stehen und öffnete das Fenster. Ich schrie in den Hof laut um Hilfe, immer wieder bis sich das Päärchen zu mir runter wagte. Was sie sahen, war natürlich einen gesunden kräftigen jungen Mann, der vielleicht etwas verwarlost war, dem aber ansonsten nichts fehlte. So gingen sie wieder unverrichteter Dinge. Ich begriff, dass ich Hilfe brauchte.

So ging ich eines Nachts in die erste Hilfe des Urban Krankenhauses und bat um etwas um mein "Inneres nicht mehr zu spüren". Die Pfleger mussten annehmen, ich bin ein Junkie auf Turkey und ließen mich stundenlang sitzen. Nach langer Zeit und mehrmaligem vertrösten ging ich wieder nach Hause.

Nach eingen Tagen rief meine Mutter an und ich erzählte ihr wohl, dass es mir sehr schlecht ging. Sie kam sofort und wir gingen abermals in die erste Hilfe des Urban Krankenhauses. Ihr Freund Mitch war auch dabei und mein Vater kam später ebenfals. Nach einer Wartezeit gab mir die Schwester ein Mittel. Ich fragte "Soll ich das zerbeißen", da ich annahm, das das Mittel über die Schleimhäute besser und schneller aufgenommen würde. "Ich würde es nicht tun" war die Antwort. Ich tat es trotzdem, ein großer Fehler. HALDOL, ein starkes psychopharmaka und extremes Gift und nur zur Einnahme geeignet. Mein Wund war absolut taub, so als hätte ich dfrei Zahnarztspritzen auf einmal bekommen - sehr unangenehm. ZTUmindest fühlte ich mich nun etwas sicherer und aufgehoben, obgleich es an meinem inneren Zustandf nichts änderte. Sie gaben mir eine Flasche Haldol mit Dosieranweisung mit und wir fuhr dann zu Sigrun. Am nächsten Tag dachte ich mir "viel hilft viel" und überdosierte das Medikament. Eine Überdosis Haldol führt jedoch zu extremen Gesichtskrämpfen. Es renkt einem vollkommen den Kiefer aus und ist dabei sehr schmerzhaft. Mein Zunge stand mir steinhart irgendwo im Gesicht. Mit meinem Kopf in Mitches Schoß, der so gut wie es ging versuchte mich zu trösten fuhren wir so schnell wie möglich wieder ins Urban, wo ich ein Gegenmittel bekam.

Darauf ging es zu meinem Vater, der mir am ersten Abend riet, ich soll mich jetzt einfach in den Schlaf fallen lassen, was in anbetracht meiner Ängste ein denkbar ungünstiger Rat war. Natürlich wusste er nicht wie es mir ging und meinte nur das Beste für mich. Wir gingen zu einer Drogenberatung am Wittenbergplatz, die zwar nichts für mich tun konnetn, mir aber die Telefonnummer einer älteren Dame gaben, die früher als Streetworkerin gearbeitet hatte. So rief mein Vater an und wir verabredeten ein Termin in ihrer Wohnung. Sie war sehr freundlich und fragte mich eine Fragen, z. B. ob ich einen Berufswunsch hätte. "Priester" antwortete ich sofort. Ich hatte tatsächlich in meinem endlosen Wortstrom auch darum Gedanken gemacht und Priester war der Wunsch, da ich Angst hatte, im nahen Wassermann-Zeitalter, wenn Jesus auf die Erde zurückkommt, nun als Gefallener zu den verlorenen Seelen zu gehören. Sie gab mir jedoch einen sehr guten Rat. Ich soll am Ende eines jeden Tages, so detailiert wie möglich, alles aufschreiben, was ich im Laufe des Tages getan und erlebt habe. Wir verabschiedeten uns und nach diesem Treffen habe ich nie wieder getroffen. Ich schrieb noch am selben Abend alles auf was mir vom vergangenen Tag in Erinerung geblieben ist und zwar so exakt wie möglich. Tatsächlich holte mich diese Übung zurück ins Hier-und-Jetzt. Ich fühlte zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder Hoffnung und einen gewissen GRund unter den Füssen. Doch leider, ich war in meinem Zustand natürlich auch sehr willensschwach, ließ meine Disziplin bald nach und ich hatte keine Lust mehr meine detailierten Notizen zu führen.

Irgendwann war klar, das mein Vater bei sich keinen psychotischen Sohn beherbergen konnte und entschloss mich, mich selbst in die offene Psychiatrische Abteilung des Urban-Krankenhauses einzuweisen wo ich die folgenden drei Monate verbringen sollte.

Die Klapse

Im Krankenhaus bekam ich ersteinmal die volle Dröhnung Haldol. Es lindert zwar die ärgsten psychiotischen Gefühle und Ängste, hat aber die drastische Wirkung, dass man einerseits immerzu schlafen will aber andereseits einen starken Bewegungsdrang hat. So schlich ich, in einer Polonaise mit anderen Insassen mit gesenktem Kopf den Flur rauf und runter, immer im Kreis, die ganze Zeit. Schlafanzug, Kissen vorm Bauch und den Flur immer rauf und runter, den ganzen Tag.

Im Krankenhaus hatte ich jedoch eine sehr seltsame Erfahrung, die ich nie vergessen kann. Mir ging es schon etwas besser, im Aufenthaltsraum durfte damals noch geraucht werden und der Fernseher war an. Ich saß ruhig in einem der Fernsehsessel und schaute hoch in den Fernseher. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als würde ich mir einen Hausschuh-Slipper anziehen. Ich meine das eins-eins Gefühl wenn man sich einen weichen Schlappen über den rechten Fuß stülpt.  Überrascht schaute ich auf meine Füsse und sah wie mein Sitznachbar sich grade genau so einen Schuh anzog, wie ich kurz gefühlt hatte selbst über meinen Fuß zu ziehen.

Die Therapie

Wieder bei den Eltern

Hannover

Hamburg

Berlin

to be continued ...