THE ART OF KAIC adm

Crocodile Dance

On the Road

Es war einer dieser Abende auf der Jagd nach Rausch, wo alle Erlebnisse gleich anödend wie aufregend waren. Nichts kickt, kickt, kickt, falls einem nicht Raumschiff Galaxy in den Adern pulst. Eben noch allein mit Freunden auf einer 80er Party wo der Sekt in Strömen geflossen war, düse ich nun angeekelt zu „Crocodile Eve“. Voll auf Törn fahre ich mit meinem  Motorrad durch die Stadt, vorbei an Leuchtreklame, Scheinwerfern und anderen blendenden Lichtern auf den breiten Strassen voll schnatternder Passanten. Alltägliches huscht irreal an mir vorbei und mein Interesse, diesem Gefühl mehr Substanz zu geben, geht gen Null. Der Wind rauscht um meine Ohren und es fühlt sich kalt an auf der Haut. Ich fühle meinen Körper, das ich lebe ist ein Wunder das ich niemals verstehen werde, dem ich jedoch auf keinen Fall widerstehen kann.

Mein Ziel ist eine kleine Gasse als Abzweig einer großen Strasse. Auf dem Weg durch diese Gasse löst sich ein Schatten von der Mauer und springt mir vor den Weg. „What the Hell …“ ein Blitzen aus Reptilienaugen, ein Gesicht, fremdartig schön und ein Körper … „Ohh Yeahh…“. Sie, eindeutig, rennt fort nachdem ich eine Vollbremsung hinlege und verschwindet im Dunkeln. War sowieso Zeit zu bremsen und zu parken, da am Ende der Gasse eine Menschenmenge auf Einlass wartet. Meine Ohren erwarten einige internationale DJs und vier Liveacts, die ich hoffentlich noch nicht verpasst habe. Aber sollte es tatsächlich schon soweit sein das ich das zweite Gesicht bekomme, welches mir die innere als tatsächliche Realität vorspiegelt? Wie dem auch sei, mein nächstes Ziel ist die Party bzw. der Eintritt, den ich hoffentlich nicht bezahlen muss. Vor mir in der Schlange steht ein total abgefreakter Goa-Hippie der mit einem anderen über wirres Zeug (dessen Sinn mir vollkommen entgeht) redet und sich darüber schlapplacht. Nach einer Weile hinter mir in der Schlange drei supersüße Mädel in pelzbesetzten Jacken und Bindhis im Gesicht. Wow, in diesen Augen könnte ich versinken, sink, sink, sink, …. .. .. . „Very strange People in here“ denke ich, da ich keinen einzigen entdecke, der nicht irgendetwas Seltsames an sich hat. Die Frauen von überirdischer Schönheit und die Kerle auf jeden Fall irgendwie schräg.

„CaiK“ auf der Liste von  Mas“ … „OK“ – Armband ran und rein. – Garderobe, besser is das, zum Glück gerade leer. Let’s Move. An der Wand hängt ein Lineup, drei Ebenen, Spitze! OK rein und umkucken, wer ist da?

XTC auf 1. Floor

Die E-nergie, die mir vor zwei Wochen eine zufällige aber vertrauenswürdige Bekanntschaft zusammen mit einem Hinweis auf diesen Event schenkte, macht sich von tief unten bemerkbar. Irgendetwas Unbekanntes schwingt mit merke ich, kann es aber nicht definieren. Wird eine heiße Nacht, das merke ich auf jeden Fall. Ein Raum weiter dröhnt der Beat mir entgegen und zieht mich in die Menge durch den Zugang. „Aber, What the Hell is this, dies ist kein Raum mehr.“ Eine riesige Halle, mit Boxentürmen an allen vier Ecken und in der Mitte Blubbern auf die Menschen. Gedärmerschütternde Bässe bringen mein Gehirn zum toben, verdauen … und weiter. Es gibt keine Decke, über mir sehe ich den Sternenhimmel und alle Wände scheinen weit weg. Urzeitliche Riesenechsen springen mir von der Decke entgegen. Scheinwerfer zerschneiden mit ihren abgegrenzten Strahlen die rauchige Luft. Unter dem Himmel hängend, kämpft ein aus Fäden gesponnenes Vieh mit einem schnittigen Raumschiff, das seine Strahlen über die Menge schickt. Im Raum hängen große Bilder die leuchten, als wären sie aus Licht gemalt. Weit weg, ganz hinten, steht eine riesige Statue, ein Mensch scheinbar mit dem Kopf eines Varans, der seine linke Hand über das Herz und seine rechte segnend über die Menge hält. Der Kopf, er nickt leicht im Rhythmus, als könnte sich sogar dieser Koloss nicht der Magie des Groove entziehen. Seine rechte Hand wedelt auf und ab während hinter seiner linken ein blaues Licht zu leuchten scheint. Er schaut mich an, sein Blick richtet sich auf mich, er öffnet den Mund und den Boxen entbrennt ein Hammereinsatz von Musik. Sein Blick auf mich gerichtet gibt unser Schirmherr einen tiefen Brummlaut von sich, immer wieder und steigernd. Er hebt den Kopf und ich versinke in seinem Blick – tanzen, um mich tobt die Menge, alle johlen, kreischen, springen oder wälzen sich auf dem Boden. Er hört nicht auf seine tiefen Brummlaute von sich zu geben und mit jedem anheben seiner Stimme scheinen weitere Energiereserven nach Befreiung zu suchen. E schabt noch aus meinem tiefsten Kellerloch den Dreck und wandelt ihn in positive tanzbare Energie um.

Sein Blick wendet sich von mir ab, so dass ich in der Lage bin andere Menschen um mich herum wahrzunehmen. Links von mir tanzen eine Frau und ein Mann. Ihre Hüften scheinen aneinander zu kleben, auch wenn sie mit vier Beinen und zwei Oberkörpern tanzen. Ihre Arme streicheln die Umgebenden wenn sie sie erreichen können. Ihre Münder küssen sich unablässig, indem sie ihre langen gespaltenen Zungen ineinander verschlingen. Sie umarmen sich und ziehen sich aneinander, immer enger sind ihre Körper verbunden. Sie scheinen zu verschmelzen. Tatsächlich scheinen die Gesichter nun ineinander zu verfließen, weiter und weiter bis statt zweier Personen nur noch eine dasteht, die mit einem lauten Schrei seiner Freude Luft macht. Der Schrei wird von den umgebenden mit Johlen und Klatschen beantwortet, was eine weitere Welle tanzwütigen Gebarens hervorruft. Als ich mich tanzenderweise umschaue sehe ich ein weiteres Paar, das sich gefunden hat und in wirbelnden Kreisen tanzend den Vorgang wiederholt.

Gespräch beim Ale

Ich entdecke, nicht allzu weit entfernt eine Bar. Ich bin fertig und bewege ich mich also darauf zu, um mir ein Bier zu bestellen. Natürlich drängen sich alle wie wild um den Tresen, ich bestelle mir später ein „Crocodiles Ale“. Einer der Sessel von im Raum verteilten Sitzgruppen ist gerade frei geworden, also setze ich mich neben einen Typen, der verträumt in den Raum sieht um den Tanz einer Schönheit zu betrachten. Ich bin froh, dass ich, als ich mich hinsetze nichts Ungewöhnliches entdecke, an die Statue, die Himmeldecke und die endlosen Wände hatte ich mich bereits gewöhnt.

„Am Ganjamann“ sagt er und hält mir ein dunkelbraunes glimmendes Horn unter die Nase. Mit einer Geste bedanke ich mich und nehme das Horn, unter der Gefahr den Rest des Abends röchelnd in der Ecke zu verbringen, an. But not – es regt den Redefluss an und trocknet den Mund aus. „Du hast Bock dich zu vermehren!“ sagt Ganjamann, „dann wechsle auf die zweite Ebene“.

„Zweite Ebene?“ frage ich, „wo sind die anderen Areas in diesem Event eigentlich, ich habe nur diesen Eingang entdeckt“. "Ey Alter“ hier gibt’s nur diese Area, reicht das nicht oder was. Du musst in die zweite Ebene wechseln, was glaubst du wo du hier bist man“. „zweite Ebene?“ frage ich noch einmal „ich habe keine Treppe gesehen vorhin. Außerdem reicht mir das hier absolut. Schau dir diese Location doch nur mal an, Hammerdeko und überhaupt ziemlich abgefreakte Leute! Aber klar, vermehren is immer gut“.

„OK man, dann sag ich dir jetzt mal was. Beim Schrei Nrogulias tanz mit einer Frau, tanz einfach mit ihr, du wirst es merken, sie wird es merken, is total klar man. Wenn Nrogulia schreit können Wunder geschehen man, verstehst du mich. Der da zum Beispiel, …“ und er zeigte auf eine zwei Meter großes saurierartige Echse, die nicht gerade rücksichtsvoll, den Schwanz im Takt wedelnd, Tanzende von ihren Füssen haut. Den Oberkörper vor und zurück bewegend, schlabbert ihre Zunge speicheltriefend aus dem Maul und schlackert um die kleinen Ohren. „… der war ’n bisschen sehr weit weg zum Zeitpunkt. Von solchen Freaks wirst du bald noch mehr entdecken. Er ist weit, weit weg von allen Ebenen die du kennst und tanzt jetzt in Nrogulias Herz den Tanz der Krokodile.“

„Is klar man, was hast 'n du genommen, für mich is das ne Figur aus Pappmaché.“ Als ich das sage ist es plötzlich Totenstill um mich, ich bin allein in einer leeren Werkshalle. Taubendreck liegt in den Ecken, Papiermüll und allerlei Kisten und Fässer stehen herum. Geschockt und erstaunt über den plötzlichen Aussetzer sehe ich mich um, verängstigt winde ich meine Arme um den Körper und wünsche woanders zu sein. Leise höre ich den Beat wiederkommen, Schemen bewegen sich vor mir im Rhythmus die wieder Gestalt gewinnen. Das gibt mir Sicherheit. Ich bin nicht vollkommen aus dem zeitlosen Raum geworfen. Mit steigender Sicherheit verfestigte sich vor mir die Szenerie zum ursprünglichen Bild.

„Ey Alter was machst du für Dinger, willst dich wohl vollkommen rauskicken was?  Ey nimm noch mal 'n Zug, is echt gutes Skunk man, kannst de nix falsch machen.“ - OK, das war’n Schock und Nrogulia ist 'n cooler Typ, alles klar. -

Fullon psychedelic Trance

Wir sitzen noch eine Weile schweigend nebeneinander, da der Bass die Kommunikation zu einem anstrengenden Unterfangen werden lässt. Die Szenerie normalisiert sich für mich weitgehend. Hier und da tanzten ein paar Echsen, aber das kann man ignorieren. Die Musik fadet langsam aus und bleibt eine Weile still. Der DJ hat sein Set beendet. Die Leute applaudieren und pfeifen und jubeln ihm aus Anerkennung zu. „Jetzt kommt Space-Rip live, denke an Nrogulias Schrei. Ich muss mal woanders hin, wir sehen uns“ (Grins).

Der Liveact Space-Rip begann mit einem sphärischen Rauschen aus dem irgendwo im Hintergrund das Wummern einer Base dämmert, verschiedene singende Töne untermalen das Rauschen und lassen kommende Musik erahnen. Die Laser spielen über den Köpfen der Menschen und zaubern 3-dimensionale Figuren in die Luft. Ein Pling-Pling ergänzt bald das Rauschen und die ersten Beine beginnen zu wippen. Irgendwo kringelt sich ein Echse in einer Nische zusammen um  das Treiben aus Schlitzpupillen skeptisch zu beobachten.

Ich stehe auf und stelle mich an die Tanzfläche. Die Musik dringt in meinen Körper, durch meine Ohren, meinen Bauch, durch den Boden in meine Füße und fährt mir in mein Nervensystem. Ich höre, höre zu, lange Zeit bis ich von selbst zu tanzen beginne. Mittlerweile ist die Musik zu einem psychedelischen Fullon-Sound angeschwollen. Es gibt nur noch Musik in mir und um mich herum. Die Tanzenden sind Musik, ebenso wie die rauchige von Strahlen zerschnittene Luft. Die Musik hebt mich bis unter die Decke und vergessen breitet sich in mir aus wie ein Strom, der alles hinfort spült das in meinem Denken nicht hier ist. Mein Körper nimmt die Musik sensibel auf und Muskeln verwandeln sie in eine Welle die mich wegspült. Mit geschlossenen Augen wirbele ich, angetrieben von Sound und Rhythmus auf dem Floor. Normalerweise tanze ich allein, mit der Musik verschmolzen und voll auf diese konzentriert. Ich öffne meine Augen, mir gegenüber tanzt nun diese Entzückende, die ich schon am Eingang sah. Ich sehe sie an und ihr Tanz ist wunderbar. In meinem Blick ist wollen und sie sieht das. Ein dröhnendes Brummen setzt ein und ich weiß das Nrogulia seine Stimme erheben wird. Mein Kopf ist nur erfüllt von Klang und Licht und dieser anderen. Ich sehe sie und wir tanzen voreinander, miteinander. Immer näher bewegen wir uns aufeinander zu, während unser Gott allen Liebenden ein Tor öffnet, an dem niemand vorbei kommt ohne es freudig zu betreten. Lächelnd fassen wir uns an den weit ausgestreckten Händen. Plötzlich höre ich sie in mir, oder besser fühle dass sie genauso voll und frei sich fühlt wie ich. Ich umfasse ihre Hände fester und spüre, wie ihre Hände zu meinen werden. Wir umfassen ihre Hüften und ziehen uns aneinander. Ich fühle sie so nah bei mir als währe ich nicht mehr allein in mir. Die Musik und Nrogulias Schrei berauschen mich ebenso wie die Nähe dieses unbekannten Wesens. Als ich ein letztes Mal die Augen öffne, sehe ich ihre Augen ganz nah vor mir. Mein Blick gleitet in ihre senkrechten Pupillen. Ein Küssen und tanzen und fliegen, fliegen, fliegen weg von hier.

Der 2. Floor

Beim Öffnen der Augen befinden wir uns auf einer großen waldumsäumten Lichtung. Die langen Äste der Bäume hängen zum Teil wie Farn auf die Erde nieder. Weiße Flocken  schweben vereinzelt mit dem leichten Wind.

Der Beat dröhnt immer noch, laut und eindringlicher als eben noch. Wir fühlen uns leicht, voll Schönheit und Nähe und Beat. Wir wissen, dass es keine zwei mehr gibt oder acht oder zwanzig. Wir sehen andere Individuen zwar tanzen doch fühlen wir ihre Gegenwart mehr durch unsere Augen. Das seltsamste jedoch sind die Gestalten der anderen. Ihre olivgrüne Haut scheint seidig zu schimmern. Langgliedrig und grazil federn und springen sie über den bemoosten Boden. Ihre seltsam konisch geformten Schädel mit den übergroßen Ohren wippen im Takt. Manche lachen oder lächeln nur oder einzelne springen quer über den Boden und tanzen.

Wo Nrogulia stand ist nun eine große Lichtsäule die senkrecht in den Himmel steigt. Am Fuß des Strahls quillt Dampf aus der Erde, der von blassen wechselnden Farben durchleuchtet ist. Die Menge tanzt um diesen hellen Strahl, der den Platz in ein gleichmäßiges vielfarbiges Licht taucht. Durch die Menge kriechen langsam große schwerfällige Kolosse. Vor innen öffnet sich ihr Weg und hinter ihnen schließt es sich wieder, wie zufällig fluktuierende Teilchen. Teilweise waren wir auf die gemächlichen Kolosse geklettert und liegen faul auf deren Rücken herum oder schauen uns von oben relaxt die Tanzenden an. Diese Riesen wandern ziellos um die Säule herum. Manche tauchten in den Nebel ein und kamen irgendwo wieder heraus.

Am Rand der Lichtung, der weiter entfernt liegt sehen wir beim weiterlaufen das einige gierig den Saft ablecken und einsaugen den die großen Blätter der Bäume am Rand der Lichtung absondern.

Bäume einen Saft absondernd den man einsaugen und ablecken kann!

Beim Entfernen von der Tanzfläche sehen wir erst einen Ring aus Licht der um die Säule herum schwebt. Hoch über den Köpfen der Tanzenden glitzerte der Bogen wie gespiegeltes Sternenlicht. Lichtpunkte in einem durchsichtigen Ring tauchen auf, strahlen kurz sehr hell bevor sie wieder verblassen.

Die Blätter der Bäume sehen aus wie eine unruhige Wand an der Tropfen herabrieseln, herunterfallen und im Boden versickern. Beim trinken des Saftes strömt Wohlgefühl in den Körper. Dieser Saft schmeckt...